Jamila Hassan

Jamila Hassan

möchte mit dem ersten Lifestyle-Blog Mombasas die lebenswerten Seiten der Hafenstadt hervorheben.


Sie ist der buchstäbliche Kopf der Stadt: ihre Augen, ihr Mund, ihre Nase, ihre Ohren. Was sie sieht, das schreibt sie auf, ebenso was sie riecht, schmeckt, hört oder denkt. Jamila Hassan ist die erste Lifestyle-Bloggerin Mombasas – Tag für Tag, immer nach der Arbeit, schnappt sie sich ihre Kamera, fotografiert, wer oder was ihr vor die Linse kommt. „Life in Mombasa“ hat Jammy ihr Werk genannt. Seit eineinhalb Jahr versucht sie, die Stadt nicht nur als beliebte Destination für Touristen zu präsentieren: Sondern als Ort, an dem Menschen gerne leben.

„Mombasa hatte lange Zeit viele Sicherheitsprobleme“, erzählt Jammy. „Vor einigen Jahren wurden drei Touristen ermordet und die lokalen und internationalen Medien haben da ein Terroristen-Ding draus gemacht, das es nicht war. Die Einwohner selbst hatten Angst, in bestimmte Gegenden zu gehen und bis vor ein paar Monaten gab es auch fast keine Besucher“, sagt sie. Dabei wollte das so gar nicht zu dem passen, was sie auf den Straßen der lebendigen Metropole fast täglich erlebte: „Mombasa ist so reich und vielfältig! Ich entschied mich daraufhin, die positiven Seiten der Stadt hervorzuheben“, erzählt Jammy.

Kulinarisches, Modisches, Geschichtliches und Alltägliches: Über all das berichtet sie seit 2014. „Es hat Zeit gekostet, Life of Mombasa richtig professionell zu starten. Früher konnte ich nur am Wochenende raus und Fotos machen. Im März 2015 habe ich dann meinen Job in einer Bank geschmissen, um den Blog zu pflegen und meine eigene Firma für Digital-Marketing zu gründen“, erzählt sie. 5000 Likes auf Facebook, 7400 Follower bei Instagram und 1700 weitere auf Twitter: „Ich könnte von den Einnahmen durch Werbung leben“, bestätigt Jammy, „aber es wäre eher ‚überleben‘. Ich bin einfach noch zu unbekannt, deshalb ist mein Hauptberuf nach wie vor meine Social-Marketing-Firma mit meinen fünf Angestellten.“

Am weitesten entwickelt sind Südafrika, Nigeria und Ghana; aber Nairobi ist definitiv auch ein Zentrum. Ich hoffe, dass Mombasa bald aufschließen kann.

Dabei hat die weltweite Bloggerwelle den Kontinent schon längst überrollt – und Kenia und andere afrikanische Länder mit sich gerissen. „Am weitesten entwickelt sind Südafrika, Nigeria und Ghana; aber Nairobi ist definitiv auch ein Zentrum. Ich hoffe, dass Mombasa bald aufschließen kann“, sagt Jammy. Noch ist sie eine von wenigen: Erst zwölf Blogger zählt die 920.000 Einwohner große Hafenstadt an der traumhaft schönen kenianischen Küste. „Wir würden langfristig gerne einen zweiten Stückpunkt von BAKE, der kenianischen Bloggerorganisation, in Mombasa gründen. Teil eines großen Netzwerkes mit entsprechenden Verlinkungen zu sein, würde uns helfen, deutlich mehr Einnahmen über Werbung zu erzielen.“

Unabhängig der roten und schwarzen Zahlen ist das Leben als kenianischer Blogger jedoch auch aus einem anderen Grund nicht immer leicht: Erst vergangene Woche wurde der Blogger Yassin Juma kurzzeitig festgenommen, weil er nach den Angriffen der Al-Shabaab-Miliz auf ein Camp der kenianischen Armee in Somalia gefordert hatte, der Präsident müsse sich mehr um sein Land kümmern. „Missbrauch von Kommunikationsmitteln“ hieß die offizielle Begründung für die Festnahme – Kenia belegt trotz seiner modernen Medienlandschaft noch immer nur Platz 100 von 180 des weltweiten „Reporter ohne Grenzen“-Rankings. „Einige von uns wurden schon inhaftiert, Blogger wie Robert Alai sogar mehrfach. Es ist gesetzlich festgelegt, dass man inhaftiert werden darf, wenn man keine Fakten für seine Meinung vorbringen kann. Aber ich habe keine Angst davor, weil ich nichts Politisches publiziere“, ist Jamila sicher.

Außerdem mische die Generation Y die Karten gerade neu: „Wir sind eine sehr kritische Generation: Wir stellen Fragen. Wir sind besser gebildet, kennen unsere Rechte und äußern diese auch deutlich. Ich denke, dass wir deshalb diejenigen sind, die hier etwas ändern werden.“ Auch die Rolle der Frau sei ein Thema, das immer häufiger hinterfragt werde – gerade in Mombasa, wo 70 Prozent der Einwohner muslimischen Glaubens sind.

„Es ist islamische Tradition, dass Frauen zu Hause bleiben müssen. In Mombasa haben aber mittlerweile immer mehr von ihnen Restaurants, besitzen Firmen und Unternehmen. Sie werden akzeptiert und die Rolle der Frau wird weiter gestärkt.“ Bei ihrer Arbeit bekomme sie den derzeitigen Widerspruch von Tradition und Moderne häufig zu spüren: „Die Leute sind an männliche Fotografen gewohnt, das ist ein traditionelles Ding. Sie denken oft, als Frau könntest du nicht so einen guten Job machen und fragen mich, ob hinter meinem Blog nicht doch ein Mann steht.“

Die meiste Zeit könne sie über solche Äußerungen hinwegsehen: „Ich habe sieben Jahre in den USA gelebt und studiert. Dort ist die Emanzipation der Frau ein großes Thema – diese Erfahrung hat mich sehr gestärkt. Ich habe keine Angst vor solchen Diskussionen, sondern ich kann es besser einordnen und verstehe die Hintergründe. Aber manchmal man muss schon sehr stark sein.“ Die erste Bloggerin Mombasas, fügt sie hinzu, habe vor einigen Jahren ihre Seite aufgeben müssen, als ihr Ehemann herausgefunden habe, dass sie bloggt – sie habe danach nie wieder angefangen. „Ich selbst bin aber nicht verheiratet“, beantwortet Jamila die Frage und muss lachen: „Nein, nein, keine Angst.“

Das traditionelle Mombasa ändert sich gerade sehr, die Stadt erhält ein modernes Gesicht.

Gut gelaunt und entspannt spaziert Jammy an diesem Tag mit ihrer Kamera durch die Altstadt Mombasas, über die sie ihren nächsten Beitrag schreiben möchte. „Hier stehen zahlreiche alte Häuser aus verschiedenen Jahrhunderten, welche die Einflüsse der Portugiesen, Araber und Omanis zeigen. Über jedes Einzelne könnte ich einen eigenen Artikel schreiben, über seine Geschichte, seine Architektur. Die Stadt hat eine solch reichhaltige Geschichte“, schwärmt die 32-Jährige. Doch auch die Gegenwart sei keineswegs minder spannend, fügt sie hinzu: „Das traditionelle Mombasa ändert sich gerade sehr, die Stadt erhält ein modernes Gesicht. Die Musikszene entwickelt sich rasant, ebenso die Entertainment-Branche. Auch die Leute ändern sich, gehen aus, reisen und bringen Einflüsse und Kulturen aus anderen Ländern mit. Das steht zwar manchmal ziemlich im Konflikt zueinander, aber die Stadt entwickelt sich.“

Um hiervon so viele wie möglich zu überzeugen, fährt Jamila von Ort zu Ort, von Event zu Event, verteilt ihre Visitenkarten und gibt Interviews im Radio. „Um Publicity zu bekommen, muss man einiges tun. Meine Bilder müssen besser sein als die der anderen. Aber was ich mache, ist bisher einzigartig. Ich poste einfach regelmäßig und gebe immer mein Bestes. Bloggen ist meine Leidenschaft – ich liebe es“, sagt sie schlicht. Vielleicht ist es ihren Lesern zu wünschen, dass ihr Blog ein leidenschaftliches Hobby bleibt – es wäre zu schade, wenn ihre wachen Augen eines Tages vor lauter Druck und Arbeit trübe, ihre Ohren schlecht, die Geschmacksnerven verwöhnt und ihr Kopf nicht mehr so frei denkend wären.


24. Januar 2016

 


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